Kulturstiftung des Bundes fördert Pionierprojekt
„Nur Skulptur!“ der Kunsthalle Mannheim
Die qualitativ und quantitativ herausragende Mannheimer Spezialsammlung
moderner Skulptur ist Ausgangspunkt für das interdisziplinäre
Ausstellungs- und Wissenschaftsprojekt „Nur
Skulptur!“, das vom 16. März bis zum 17. November 2013 in der
Kunsthalle Mannheim präsentiert wird. Künstlerkurator Bogomir
Ecker und drei internationale Bildhauerkollegen – Kiki Smith, Roman
Signer und John Bock – interpretieren und inszenieren alle
dreidimensionalen Werke der Kunsthalle aus zeitgenössischer Sicht.
Angestrebt sind frische bis freche Alternativen zu traditionellen
Präsentationsformen. Statt Sockel und Vitrine wird der gesamte
Mitzlaff-Bau − kurz vor seinem Abriss und der Neubauphase − zum
künstlerischen Experimentierfeld für das Thema Skulptur im
Museum.
Die Kulturstiftung des Bundes hat jetzt bekannt gegeben, das so
komplexe wie innovative Mannheimer Skulpturenprojekt mit einem
hohen Fördermittelbetrag von 200.000 € zu unterstützen.
Skulptur im Museum
„Bis heute führt die Gattung Skulptur, ungeachtet ihrer Erfolgsgeschichte
im öffentlichen Raum, eine vernachlässigte Existenz in der Institution, die
sie bewahrt, präsentiert und vermittelt. Baudelaires Diktum gilt heute — im
Zeitalter von Installation und Environment, Relativitäts- und Chaostheorie
— eigentlich immer noch: ‚Skulptur ist etwas, worüber man stolpert, wenn
man von einem Bild zurücktritt‘“, erläutert Museumsdirektorin Dr. Ulrike
Lorenz. „Gegen diesen Zustand wollen wir als Museum mit einem
herausragenden Sammlungsschwerpunkt Skulptur entschieden und
intelligent angehen.“
Museum – Künstlerpraxis – Wissenschaft
Das Projekt „Nur Skulptur!“, mit der auf 2000 Quadratmetern geplanten
Großausstellung inklusive reichem Vermittlungsprogramm, versteht sich
als Testfall in der praktischen Vernetzung von Museum, Künstlerpraxis
und universitärer Kunstwissenschaft. Spannende Fragen sind unter
anderem: Wie können Künstler mit Wissenschaftlern im kuratorischen
Alltag kurzgeschlossen werden? Wie denken Künstler, wie gehen sie vor, wie nähern sie sich ihren Vorbildern, Ahnen und historischen
Gegenspielern aus der Perspektive von heute an? Wie kann
wissenschaftliche Systematik in die assoziative Auseinandersetzung und
Ausstellungsgestaltung der Künstler produktiv hineinwirken? Wie können
zentrale Aspekte der künstlerischen Annäherung an Kunstgeschichte
wissenschaftlich aufgegriffen werden?
„Nur Skulptur!“ in der Kunsthalle Mannheim
„Nur Skulptur!“ will die Möglichkeiten und Grenzen einer neuen,
gleichermaßen historisch fundierten wie künstlerisch experimentellen
Herangehensweise an die offenen Fragen der Präsentation und
Wahrnehmung von Skulptur im Museum testen und zur Diskussion
stellen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in die Planung des Neubaus
der Kunsthalle Mannheim eingebracht werden.
Auf der einen Seite setzt sich künstlerisches Denken und Tun in
Beziehung zum Potential und den konkreten Werken der Mannheimer
Skulpturensammlung. Auf einer zweiten Schiene wird in Kooperation mit
universitärer Forschung und Lehre eine wissenschaftstheoretische
Fundierung, Bearbeitung und Ausweitung des Themas angestrebt.
Hommage an Mitzlaff
Das Künstlerteam wird dabei die seltene Möglichkeit eines vorab
initiierten „künstlerischen Rückbaus“ im zum Abriss bestimmten Mitzlaff-Bau nutzen, um zu differenzierten Raumsituationen und einer
ungewohnten Raumdramatik zu gelangen. Somit wird die Architektur in
der letzten Phase ihrer Existenz in ein sehr spezielles Verhältnis zur
Skulptur gebracht − auch als eine Hommage an ihren Ursprungsgedanken.
Skulpturale Eingriffe in die Architektur werden zum
Teil der bildhauerischen Praxis und verweisen nicht nur auf den
erweiterten Skulpturenbegriff, sondern eröffnen gleichzeitig die Chance,
für den historischen Skulpturenbestand der Kunsthalle völlig andere
Wahrnehmungsperspektiven zu finden.
gefördert durch die

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