Generalsanierung

Wie reinigt man tonnenschwere Steine?

Die Fassade der Kunsthalle wird nach und nach saniert

105 Jahre alte Steine mit nagelneuen Rohsteinen zusammenbringen, den Schmutz eines gesamten Jahrhunderts abwaschen, und Steinbrocken von etwa einer Tonne Gewicht in die Fassade der Jugendstil-Kunsthalle einsetzen. Das sind die Herausforderungen, denen sich die Steinmetz-Restauratoren bei der Generalsanierung des Billing-Baus stellen müssen. Die Fachmänner von der Firma Nüthen Restaurierungen nehmen es gelassen. Für sie ist der Einsatz in Mannheim Tagesgeschäft − wenngleich ein Besonderes.

Wenn tonnenschwere Steine gereinigt und saniert werden müssen, geht es ordentlich zur Sache. Es wird viel gehämmert und gemeißelt auf der Baustelle am Billing-Bau der Kunsthalle Mannheim. Auf dem Platz vor dem Hauptportal haben die Restauratoren ihren „Steinmetz-Schauer“ errichtet – eine auf drei Seiten geschlossene Hütte mit einer Lüftungsöffnung an der Rückwand, wie sie seit Jahrhunderten von Steinmetzen für ihre Arbeit genutzt wird. In regelmäßigen Abständen werden neue meterdicke Rohsteine angeliefert, die die Restauratoren vor Ort bearbeiten und auf die passende Größe zurechtformen.
„Die größten Steine, die wir einsetzen müssen, sind einen Meter breit, 1,30 Meter lang und wiegen eine Tonne“, erklärt Sylvio Stauch, staatlich geprüfter Restaurator im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk, der für die Erfurter Firma Nüthen Restaurierungen mit einem fünfköpfigen Team in Mannheim vor Ort ist. Diese Riesen-Steine befinden sich am Kamin an der Ostseite des denkmalgeschützten Billing-Baus. Da der Baukran bereits abgebaut ist, müssen die Restauratoren die einzelnen Neusteine von Hand einsetzen. „Alles halb so wild“, sagt Sylvio Stauch und winkt lachend ab. „Wir nutzen natürlich Bänke, Karren und einen Kettenzug um die Steine zu bewegen.“

Mehrere Monate ist das Team beschäftigt, um die Sandsteinfassade komplett zu reinigen und beschädigte Steine gegen neue auszutauschen. Das ist gar nicht so einfach: Jeder Stein der neu eingesetzt wird muss an die anliegenden Nachbarsteine angepasst werden. Neben der richtigen Größe des Steins kommt es vor allem darauf an, die Struktur der Oberfläche perfekt den historischen Vorbildern nachzuempfinden.

Die Fassade des Billing-Baus besteht zum Großteil nur aus Sandsteinblenden die vor die eigentliche Außenwand vorgelegt sind. Lediglich im Sockelbereich sind alle Steine massiv. „Aber das reicht uns eigentlich schon“, sagt Stauch und lacht. Die Reinigung der Fassade erfolgt mit Heißwasserdampf. Dazu wird Wasser auf 155 Grad erwärmt. Bei stark verschmutzten Stellen kommt auf kleinen Flächen von bis zu 1.000 Quadratzentimetern das Partikelstrahlverfahren zum Einsatz, eine Weiterentwicklung des herkömmlichen Sandstrahlverfahren, bei dem Pulver aus verschiedenen Partikelmischungen zum Strahlen genutzt werden kommen können.

„Unsere Restaurierungs-Aufträge bieten jedes Mal etwas Neues. Bei Denkmälern gibt es immer neue Herausforderungen, das macht Spaß. Und es ist tatsächlich so: Ein Gebäude lebt.“ Die Generalsanierung des Billing-Baus ist für die Männer der Firma Nüthen Restaurierungen, die sich auf die Pflege historischer Denkmäler spezialisiert hat, allerdings Tagesgeschäft. Trotzdem ist die Arbeit an der Kunsthalle eine besonders motivierende Aufgabe: „Der Billing-Bau ist ein schönes Objekt. Und mit so einem Alter – immerhin Baujahr 1906/07 – haben selbst wir nicht jeden Tag zu tun.“

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