Generalsanierung

Stille Zeitzeugen:
Sandsteinlöwen der Kunsthalle Mannheim können endlich restauriert werden

Sechs Tonnen wiegen die beiden Sandsteinlöwen, die den Eingang des Billing-Baus der Kunsthalle Mannheim bewachen – jeweils! Das ergab eine neue Schätzung der Bauleitung auf der Baustelle der Generalsanierung. Damit sind die Figuren zu schwer, um zur Restaurierung in eine Werkstatt abtransportiert zu werden. Steinmetzmeister Constantin Baki und sein Team mussten warten, bis die Temperaturen über zehn Grad lagen. Jetzt haben sie mit den Arbeiten begonnen – direkt auf dem Rasen vor der Kunsthalle.

Sie mussten lange auf ihre Runderneuerung warten: Bereits Ende Januar 2011 wurden die Sandsteinlöwen mit einer mit Diamantsplittern besetzten Seilsäge von ihren Sockeln getrennt und mit einem 60-Tonnen-Kran auf den Rasen neben der Kunsthalle Mannheim verfrachtet um Platz für die Sanierungsarbeiten am Portal des Billing-Baus zu schaffen. Danach sollten die Figuren, die der bekannte Bildhauer Hermann Volz (1847- 1941) in enger Zusammenarbeit mit Kunsthallen-Architekt Hermann Billing anfertigte, im Atelier des Esslinger Steinmetzmeisters Constantin Baki restauriert werden. Das Problem: Die Figuren lassen sich nur auf einem Laster transportieren, solange jede von ihnen unter drei Tonnen wiegt. „Es ist kaum möglich das Gewicht so großer Skulpturen über den Daumen zu peilen“, sagt Constantin Baki. Als der detaillierte Schätzwert vorlag war klar: Die Restaurierung kann nur vor Ort durchgeführt werden. „Allerdings machte uns dann der kalte Winter einen Strich durch die Rechnung.“ Bei Frost sind die Arbeiten nicht möglich. Baki und seine Mitarbeiter mussten warten, bis die Temperaturen über zehn Grad gestiegen sind. „Jetzt können wir uns endlich ans Werk machen!“

Bei der Restaurierung werden die Skulpturen manuell mit Pinsel und weichen Edelstahlbürsten vom Moos und groben Verschmutzungen befreit. Dann werden sie mit einem Micro-Sandstrahlgerät komplett substanzschonend gereinigt. Danach werden die Risse der vergangenen hundert Jahre geschlossen. Auch Schäden durch die Bombardierung Mannheims im Zweiten Weltkrieg lassen sich an den stillen Zeitzeugen ablesen. An der Pranke des einen Löwen fehlt sogar ein erhebliches Stück, das erneuert werden muss. „In der Vergangenheit wurden die gröbsten Schäden an den Figuren provisorisch mit Zementantragungen behoben. Doch gerade dadurch sind mittlerweile neue Risse entstanden.“ Jetzt werden diese fachmännisch mit mineralischen Hinterfüllstoffen behoben.

Äußerste Genauigkeit bei der Arbeit an den Skulpturen versteht sich für Constantin Baki von selbst: „Mir ist bei jedem Handgriff bewusst, wie alt und wie wichtig diese Löwen sind. In Deutschland haben wir durch den Zweiten Weltkrieg viel historische Architektur verloren. Mit dem was uns übriggeblieben ist, müssen wir mit größter Sorgfalt umgehen.“

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